Glossar

Kernbankanwendungen

 

Interview

Können die Hersteller der Kernbanksysteme/Core-Banking-Solutions den Anforderungen der Banken hinsichtlich Verbesserung der Geschäftsprozesse in allen Bankthemen genügen?

Gesprächspartner:    
Eckhard Häusler, Inhaber und Gründer der macrosConsult GmbH  in Ottobrunn      
Axel Wilkens, Herausgeber der Marktstudien „insiderreport"

 

Wilkens: Guten Tag Herr Häusler. Vielen Dank, dass Sie sich für unsere Fragen Zeit nehmen.

Wilkens: Der Ausbau optimierter Prozesse in den Banken steht immer noch ganz oben auf der Agenda. Was kann eine Bank tun, Qualität und Effizienz im Tagesgeschäft zu steigern?

Häusler: Viele Software-Lösungen, gerade auch die Ihrer Teilnehmer an der Studie, ermöglichen einen schnellen und effizienten Geschäftsablauf. Im Angebot sind vielfältige Lösungen zur Standardisierung der Bankprozesse bis hin zur vollständigen maschinellen Bearbeitung. Über administrierbare Vorgänge, die jede Bank auf ihren Bedarf zuschneiden kann, wird die Automation von Arbeitsabläufen ermöglicht.

Wilkens: ...das bedeutet aber noch nicht, dass Effizienz und Effektivität gleichermaßen steigt...

Häusler: Stimmt, aber  der gesamte Prozess wird beschleunigt, die Fehlerzahl sinkt, die Produktion bekommt Fertigungscharakter. Lassen Sie uns hierzu ergänzend das Outsourcing von Arbeitspaketen betrachten. Wenn die IT diesen Prozess unternehmensübergreifend über alle Partner hinweg unterstützt, steigen Effizienz und Effektivität gleichermaßen. Definierte Prozessteile aus Beratung und Verkauf werden Dienstleistern zur Verfügung gestellt und bergen somit ein hohes Rationalisierungspotential.

Automatisierte Vorgänge unterstützen flexibel die Bankorganisation.

Wilkens: ohne Outsourcing und Spielarten des Outsourcing kann also die Bank ihre Ziele der Effizienz- und Effektivitätssteigerung nicht mehr erreichen?

Häusler: Outsourcing beinhaltet die folgenden Varianten: Informationstechnologie also technisches Outsourcing, Anwendungen also Application Outsourcing oder Geschäftsprozesse also Business Process Outsourcing  in die Hände eines erfahrenen Dienstleisters zu legen. Kunden erhalten in der Regel Lösungen, die individuell auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind und höchste technologische und sicherheitstechnische Standards erfüllen.

Die Auslagerung von Aufgaben, die nicht zu den individuellen Kernkompetenzen zählen, gibt Banken eine größere Flexibilität in ihren Prozessen, die Wirtschaftlichkeit und die Wettbewerbsfähigkeit wird gesteigert.

Wilkens:...diesen eher sehr rationalen und messbaren Ansätzen steht das Kundenbeziehungsmanagement gegenüber. Sie selbst haben ein Vertriebsportal entwickelt, dass sich ausschließlich mit diesem Ansatz beschäftigt...

Häusler: ...wie Sie schon in Ihrer Einleitung zu dieser Marktstudie sehr richtig sagen, Zitat „Bankmanager aller Bankengruppen fordern eine größere Kundenorientierung". Das Kundenbeziehungsmanagement wird immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Banken. Ein bedarfsgerechtes Angebot in allen Vertriebskanälen von der Filiale und den SB-Geräte bis hin zur Filiale und im Internet -Bankprodukte müssen heute in allen Vertriebskanälen gleichermaßen angeboten werden.

Wilkens:hier gibt es aber doch unterschiedliche Bedürfnisse innerhalb der Kundenberatung und auch des Kunden selbst.

Häusler: sicherlich haben die Banken unterschiedliche Bedürfnisse ihrer Kunden zu berücksichtigen. Hier hilft eine genaue Bedarfsanalyse der Vertriebswege im Vorfeld. Jedoch greifen letztendlich alle auf dieselben Daten zu, die den Bedürfnissen der Vertriebswege entsprechend aufbereitet werden müssen. Darüber hinaus ergibt sich durch eine „gezielte Vertriebskanalanalyse" eine wesentliche höhere Wertschöpfung. Die Integration aller Hintergrundsysteme in vertriebsorientierte Beratungs- und Verkaufsprozesse zu definieren ist letztlich das geschickte Zusammenspiel von Backend- und Frontend-Lösungen

Wilkens: ...und das direkte Kundengespräch...wird es überflüssig?

Häusler: Nein, niemals! Nur im Verkaufsgespräch spürt der Kundenberater die Kundenwünsche auf, er wird dabei innerhalb eines Workflows unterstützt. Dies führt nicht nur dazu, sich mehr Zeit für den Kunden nehmen zu können, dies führt auch zu einer Art Qualitätssicherung innerhalb des Beratungsgespräches. Der Berater wird entsprechend der Kundenanalyse durch das System in seinem Beratungsgespräch geführt, so dass der Mindesterfolg in der Beratung ein Angebot - nach Möglichkeit bereits der Vertrag ist.

Wilkens:wie weit im Angebot sind hier die Softwarehersteller von Kernbanksystemen Ihrer Meinung nach? Werden diese Anforderungen erfüllt oder zumindest verfolgt?

Häusler: Ich kenne viele Hersteller und habe deren Produkte kennen gelernt, die sich auf diesem richtigen Wege befinden. Sie entwickeln für ihre Kunden individuell zugeschnittene, hochintegrative Softwarelösungen, die sich an den Kundenanforderungen orientieren. Die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Kernprozesse wird gesteigert, das ist unbenommen so.

Ich vermisse jedoch weitgehend (bis auf wenige Ausnahmen) die konsequente Umsetzung kundengetriebener Strategien. Erfolgreiches Kundenmanagement ist häufig immer noch eine Art Stiefkind und die Anforderungen der Banken werden eher als Belastung denn als Chance empfunden, sich mit dem eigenen Kernbankprodukt weit vorne im Wettbewerb zu positionieren. Dieser Prozess des Umdenkens wird sich aber in den nächsten Jahren weiter durchsetzen und die Softwarelösungen verändern.

Wilkens:Herr Häusler ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Häusler: Ich danke auch und viel Erfolg für die Marktstudie.

 

 

 

Wertpapier-Abwicklungs-Systeme

Auszug aus unserer Marktstudie Wertpapier-Abwicklungs-Systeme:

Interview:

Fragen und Antworten

Heute: Wertpapier-Abwicklungs-Systeme: eine Betrachtung der Wettbewerbsfähigkeit

Gesprächspartner: Andreas Messer und Alfred Schölles, Mitinhaber und Gründer der
messer + schölles Bankenberatung | Back-Office Solutions, in Bremen,

 

Axel Wilkens, Herausgeber der Marktstudien „insiderreport"

Guten Tag Herr Messer.

Guten Tag Herr Schölles.

 

Wilkens: Das neue Zeitalter der industriellen Fertigung in der Kreditbranche macht gerade auch vor der Wertpapierabwicklung nicht halt....

Messer: Ja, speziell in Deutschland haben sich institutsübergreifende Abwicklungsdienstleister seit Mitte der Neunziger Jahre sehr stark herausgebildet. Dies betrifft am Stärksten den Wertpapierbereich sowie den Zahlungsverkehr und die Kreditbearbeitung.

Damit sind neue Möglichkeiten entstanden, schneller und kostengünstiger zu sein. Das wiederum ist im Bankgeschäft unabdingbare Voraussetzung, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

 

Wilkens: ...da sprechen Sie aber speziell die großen institutsübergreifenden Dienstleister an...

Messer: Genau! Entlang der Wertschöpfungskette übernehmen spezialisierte Dienstleister die Aufgabe, standardisierbare Geschäftsprozesse zu bündeln und die Fixkosten zu variabilisieren. Das Know-how wird konzentriert und die Kosten können pro Transaktion erheblich reduziert werden.

Wilkens: da sind wir natürlich beim Business Process Outsourcing, das Möglichkeiten liefert, sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren. Der Kunde und die Beziehungen sollen an vorderster Front stehen.....

Schölles: Befördert wird diese Entwicklung von der Internationalisierung und dem Eintritt neuer Anbieter in diesen Segmenten. Der Wettbewerbsdruck um die Kunden ist die treibende Kraft.

 

Wilkens: werden dadurch die Anbieter und Abwickler weiter an Größe zu nehmen?

Messer: Konzentrationstendenzen für das sogenannte „Massengeschäft" nehmen weiter zu, jedoch sehen wir, dass kleinere und mittelgroße Anbieter und ebenso spezialisierte Banken auch hier ihren Platz gefunden und eingenommen haben.

Schölles: ...denn Wachstum und Industrialisierung sind nicht in allen Fällen Garanten für den Erfolg. Gerade die aktuelle Finanzkrise zeigt, dass Nähe zum Kunden, Konzentration auf das Kerngeschäft und insbesondere eine funktionierende, effiziente eigene IT Landschaft, in der sich die hohe Qualität der deutschen und europäischen Regelwerke der jeweiligen Aufsichtsbehörden widerspiegelt, deutlicher im Mittelpunkt der Betrachtung stehen werden.

 

Wilkens: ...woran liegt das, es ist doch eher zu vermuten, dass wir auch hier den Trend nicht umkehren können?

Messer: aufgrund der Servicekompetenzen für Kunden und des umfassenden Leistungsangebotes bis zum Komplett-Outsourcing für das gesamte Wertpapier-Backoffice finden wir auch hier alles, was Banken benötigen, damit diese sich auf  Kundenberatung und  Kundenbetreuung konzentrieren können. Auch hier werden die Fixkostenblöcke entlastet und der Vertrieb gestärkt.

Wilkens: Hersteller von Wertpapier-Systemen sind ein sehr illustrer Kreis von Anbietern mit sehr spezialisiertem Wissen und deren Umsetzung in Softwareprodukte und zugehörigen Geschäftsprozessen.

Schölles: Sicher ist es so, dass wir in der Anbieter-Welt dieser Produkte nur wenige Anbieter finden. Das hat natürlich damit zu tun, dass hier ein sehr spezialisiertes Wissen vorausgesetzt werden muss, um sich überhaupt in die Lage zu versetzen, derartige Produkte dem Markt anbieten zu können.

 

Wilkens: ...ich hatte allerdings gedacht, dass die Anzahl der Anbieter, die umfassende Wertpapier-Abwicklungssysteme-Systeme anbieten in der Anzahl schon größer ist ....so nimmt es jedenfalls der Markt wahr.

Messer: ...da haben Sie genau das entscheidende Wort gesagt, „umfassend". Viele Anbieter haben ein wenig hier und ein wenig dort, mal abgesehen von den Transaktions-Banken, die ja in dieser Studie nicht betrachtet werden sollen. Das resultiert einfach daher, dass die Software-Produkte mit den Anforderungen bei den eingesetzten Banken gewachsen sind. Software-Entwicklungen sind hier nicht immer zielführend für ein umfassendes Marktangebot gewesen.

Schölles: Wie schon angesprochen, ist insbesondere für die Wertpapierabwicklung  eine leistungsfähige und moderne IT Grundvoraussetzung für die effiziente Bearbeitung der Geschäftsvorfälle, regulatorische und technische Anforderungen müssen hundertprozentig aufeinander abgestimmt sein. Auch hier finden Sie Systeme, die dies nur eingeschränkt umsetzen können.

Wilkens: das heißt: wer in diesem exklusiven Kreis von Anbietern weiter dabei sein möchte kommt gar nicht umhin,  eine ständige Weiterentwicklung durchzuführen. Und dies ist, wie alle wissen, mit enormen  Aufwendungen verbunden.

Messer: Anforderungen der Märkte, Kunden und damit Produkte ändern sich. Wertpapier-Abwicklungs-Systeme müssen deshalb ständig weiterentwickelt werden um zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten. Ob dies kleineren Anbietern und/oder den großen Anbietern eher schwerer fällt, mag ich nicht zu beurteilen,

Schölles: Bestes Beispiel ist die Umsetzung der Abgeltungsteuer, die ja Anbieter und Kreditinstitute vor enorme Herausforderungen gestellt hat. Die Anforderungen stellten sich für alle Anbieter gleichermaßen dar, entscheidend war hier allerdings, Synergien, durch eine gute Zusammenarbeit mit den Kunden, zu nutzen, um so die hohen Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen.

aber: nur wer heute eine schon entsprechende Anzahl an Kunden auf sich vereinigt hat, ist sicherlich dadurch eher in der Lage, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Ich denke hier nicht nur an Kosten, ich denke hier auch an gebündeltes Wissen, das auch die Kunden in Arbeitskreisen durch motivierte Mitarbeiter mit einbringen, damit diese Lösungen für eine effiziente Wertpapierabwicklung  überhaupt erarbeitet werden können.

 

Wilkens: über allem steht wie immer die Kundenzufriedenheit, richtig?

Messer: Die Steigerung der Kundenzufriedenheit ist eines der wichtigsten Unternehmensziele. Ich kann nur dringend empfehlen, den Dialog mit den Kunden zu suchen und zu pflegen. Dies kann durch regelmäßige Facharbeitskreise geschehen oder auch auf persönlicher Ebene durch Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen im Wertpapierumfeld. Gute Kundenbetreuung  sollte für Software-Hersteller nicht nur in dem Segment Wertpapierabwicklung höchste Priorität genießen.

 

Wilkens: Herr Messer, Herr Schölles ich danke Ihnen für dieses Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute.

Messer: Danke für das Gespräch und viel Erfolg für die Marktstudie.

Schölles: Vielen Dank und ich freue mich, wenn die Marktstudie zu einem Überblick oder zu der ein oder anderen Systementscheidung beiträgt.